In der vierten Folge kommen wir nun zu einer unfassbar coolen und mächtigen Meditation. Sie heißt Tong Len, und das bedeutet: Geben und Nehmen. Diese Meditation ist zweifelsfrei ein Wundermittel und jeder, der sie eine Weile lang macht, wird dies bestätigen.
Den Podcast kannst Du auch hier anhören:
Tong Len – Die Meditation, die Mitgefühl in eine echte Kraft verwandelt
Nachdem Du in den Podcastfolgen 18-20 die Grundlagen der Meditation kennengelernt hast, den Körper und den Atem als Vorbereitung genutzt und mit der Mahamudra-Meditation begonnen hast, Deinen Geist zu beobachten, ist es Zeit für eine ganz besondere Meditation, nämlich Tong Len.
Sie ist eine der bekanntesten Meditationen der buddhistischen Tradition und gleichzeitig eine der Wirkungsvollsten, die ich kenne. Ich praktiziere sie seit vielen Jahren fast täglich. Immer wieder erlebe ich, wie sie nicht nur meine innere Haltung verändert, sondern auch meine Beziehungen und die Art, wie ich anderen Menschen begegne.
Im Karmic Management ist Tong Len deshalb so wertvoll, weil sie gleich mehrere Dinge gleichzeitig trainiert: Mitgefühl, Konzentration und das bewusste Pflanzen guter karmischer Samen.
Was bedeutet Tong Len?
Das tibetische Wort Tonglen bedeutet wörtlich „Geben und Nehmen“. Interessanterweise beginnt die Meditation nicht mit dem Geben, sondern mit dem Nehmen.
Du entscheidest Dich bewusst dafür, das Leid eines anderen Menschen anzuschauen, es anzunehmen und in Deiner Meditation zu transformieren. Erst danach schenkst Du dieser Person all das, was sie gerade braucht.
Diese Meditation erinnert uns daran, dass wir nicht hilflos sind. Selbst wenn wir eine Situation im Außen nicht sofort verändern können, können wir Mitgefühl kultivieren und unseren Geist auf Heilung, Verbundenheit und Großzügigkeit ausrichten.
Hier ist die Anleitung:
Vorbereitung
Nimm eine aufrechte Sitzhaltung ein und parke Deinen Körper. Danach beruhigst Du Deinen Geist mit einigen Minuten Atemmeditation, bis Du merkst, dass Deine Aufmerksamkeit ruhiger geworden ist.
Schritt 1: Wähle eine Person
Suche Dir einen Menschen aus, dem es gerade nicht gut geht. Das kann jemand sein, den Du liebst. Vielleicht kämpft diese Person mit einer Krankheit, Sorgen, Angst, Liebeskummer oder einer schwierigen Lebenssituation.
Stell Dir diesen Menschen möglichst lebendig vor. Wo befindet er sich? Wie sieht er aus? Setz Dich ihm in Deiner Vorstellung gegenüber und nimm Dir einen Moment Zeit, wirklich mit ihm in Verbindung zu kommen.
Schritt 2: Das Leid nehmen
Stell Dir vor, das Leid dieser Person erscheint als dunkler Rauch. Mit jedem Einatmen ziehst Du diesen Rauch aus ihrem Körper zusammen. Immer mehr verdichtet sich das Leid zu einer kleinen dunklen Kugel im Herzen der anderen Person. Anschließend nimmst Du diese Kugel mit Deinem Atem zu Dir herüber.
Vielleicht klingt das im ersten Moment ungewohnt. Deshalb ist ein Gedanke besonders wichtig: Du nimmst das Leid nicht, um es selbst zu behalten. Du nimmst es, weil Du es verwandeln kannst.
Schritt 3: Das Leid verwandeln
Jetzt richte Deine Aufmerksamkeit auf Dein eigenes Herz. Stell Dir dort zwei Symbole vor: Eine wunderschöne Rose als Zeichen Deines Mitgefühls und einen strahlenden Diamanten als Symbol für Weisheit und die Fähigkeit, Leid zu transformieren.
Lass die dunkle Kugel mit drei ruhigen Atemzügen in Dein Herz gelangen. Sobald sie den Diamanten berührt, geschieht etwas Entscheidendes: Ein helles Licht entsteht. Die Dunkelheit löst sich vollständig auf, nichts bleibt zurück.
Genau dieser Moment ist der Kern der Tong Len-Meditation. Das Leid wird nicht übernommen, sondern verwandelt.
Schritt 4: Licht verschenken
Stell Dir nun vor, Dein Herz ist voller goldenem Licht. Mit jedem Ausatmen schickst Du dieses Licht zu der Person. In dieses Licht legst Du alles hinein, was dieser Mensch gerade braucht. Vielleicht ist es Zuversicht, Gesundheit, innere Ruhe, Freude, Mut, finanzielle Sicherheit, Vertrauen, Geborgenheit oder einfach das Gefühl, genug zu sein.
Mit jedem Atemzug wird die andere Person mehr von diesem Licht umhüllt. Vielleicht kannst Du sehen, wie sie entspannter wird, leichter atmet, ihr Gesicht weicher wird, wie Hoffnung zurückkehrt. Bleib einen Moment bei diesem Bild und freue Dich über das Glück, das Du verschenkst.
Zum Abschluss widmen
Wenn Du die Meditation beenden möchtest, ziehst Du das goldene Licht wieder in Dein Herz zurück. Die guten Wünsche bleiben selbstverständlich bei der anderen Person.
Dann widme die positiven Samen Deiner Meditation allen Menschen. Zum Beispiel: Mögen alle Menschen frei von Angst sein. Mögen alle Menschen Frieden finden. Mögen alle Menschen glücklich sein.
Diese Widmung ist im Karmic Management ein wichtiger Bestandteil jeder Meditation. Sie verstärkt die positiven Ursachen, die Du gerade geschaffen hast.
Tonglen funktioniert auch mit schwierigen Menschen
Viele beginnen Tonglen mit Menschen, die sie lieben und das ist ein guter Einstieg. Mit der Zeit kannst Du die Meditation jedoch auch auf Menschen ausweiten, mit denen Du Schwierigkeiten hast. Vielleicht auf einen Kollegen, eine ehemalige Partnerin oder einen ehemaligen Partner oder jemanden, der Dich verletzt hat. Gerade hier entfaltet Tonglen oft seine größte Kraft.
Denn anstatt Ärger oder Verletzung immer wieder zu wiederholen, pflanzt Du Mitgefühl, Frieden und gute Wünsche. Das verändert zuerst Deinen Geist – und häufig mit der Zeit auch die Beziehung.
Du kannst Tonglen auch für Dich selbst machen
Es gibt Tage, an denen Du selbst Unterstützung brauchst, auch dann kannst Du Tonglen praktizieren. Stell Dir vor, Du sitzt Deinem eigenen Ich gegenüber: Nimm Deine Sorgen, Deine Ängste oder Deine Erschöpfung auf. Lass sie im Diamanten Deines Herzens vollständig verschwinden.
Anschließend schenkst Du Dir selbst Licht, Kraft, Gelassenheit und Vertrauen. Viele Menschen erleben diese Form der Meditation als besonders tröstlich.
Tong Len im Alltag
Das Schöne an Tonglen ist ihre Flexibilität. Du kannst sie zwanzig Minuten lang in einer ruhigen Meditation praktizieren oder Du nutzt sie ganz spontan. Vielleicht siehst Du unterwegs jemanden, der traurig wirkt: Schon mit wenigen bewussten Atemzügen kannst Du innerlich Tonglen praktizieren und diesem Menschen Mitgefühl, Wärme und gute Wünsche schicken.
Niemand bemerkt es, aber Dein Geist verändert sich. Deine innere Haltung verändert sich. Du hörst auf, ausschließlich um Deine eigenen Probleme zu kreisen, und richtest Deinen Blick auf das Wohl anderer Menschen.
Genau darin liegt ihre besondere Kraft.
HIER ist ein Link zu einer geführten Tong Len Meditation.
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